{"id":585,"date":"2021-01-14T17:52:27","date_gmt":"2021-01-14T16:52:27","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p126162.webspaceconfig.de\/?p=585"},"modified":"2021-01-14T17:52:55","modified_gmt":"2021-01-14T16:52:55","slug":"kurzes-artist-statement-2018-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-4-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skadi.de\/en\/kurzes-artist-statement-2018-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-2-4-2-2-2\/","title":{"rendered":"\u201eIm Namen der Farbe\u201c, 2009 <br> <span style='color:grey;font-size:12px;'>Galerie Frenhofer 20. Mai - 19. Juni 2010<\/span>"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Skadi Engeln und Teresa Casanueva<br \/>\nKonvex 99 \u2013Galerie im Kontorhaus<br \/>\n<i>Einf\u00fchrung zur Er\u00f6ffnung<br \/>\n<\/i><i>Von Richard Rabensaat<\/i><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Landschaftssplitter<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>Aus der Abstraktion schaffen die Teresa Casanueva und Skadi Engeln ganz verschiedene Bildwelten<\/b><\/p>\n<p class=\"bodytext\"><b>\u00a0<\/b>Mit\u00a0<b>Skadi Engeln<\/b>\u00a0und\u00a0<b>Teresa Casanueva<\/b>\u00a0treten uns zwei Malerinnen entgegen, deren Bildsprache sich zwischen Abstraktion und Konkretion bewegt. Aus den Oszillieren zwischen Elementen, die Ahnungen von Gegenst\u00e4ndlichem erkennen lassen und dem rein abstrakten Formspiel ergibt sich eine Spannung, die den Betrachter fasziniert. Zu sehen sind zun\u00e4chst einmal differenzierte\u00a0 Farbl\u00e4nge und\u00a0 geschickt gebaute R\u00e4ume und Landschaften. Dahinter verbirgt sich jeweils ein ganz eigener Blick auf die Welt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Auff\u00e4llig an den Bildern von\u00a0<b>Teresa Casanueva<\/b>\u00a0ist, dass sie sich nicht nur jeder historisierenden oder pathetischen, sondern \u00fcberhaupt jeder narrativen Darstellung verweigern. Dies obwohl es sich gelegentlich durchaus um gegenst\u00e4ndliche Sujets handelt. Dabei h\u00e4tte die Malerin einiges zu erz\u00e4hlen. 1963 in Kuba geboren, studierte sie auf der Karibikinsel freie Kunst und dann in Halle an der Hochschule f\u00fcr Kunst und Design Burg Giebichenstein zun\u00e4chst in der Fachrichtung Textil und dann am Fachbereich freie Kunst.\u00a0 Seit 2000 arbeitete sie fortgesetzt an zahlreichen Trickfilmproduktionen mit. Als 1989 die Mauer fiel, war Teresa Casanueva eine der 24 K\u00fcnstlerinnen, die 1990 die mittlerweile unter Denkmalsschutz stehende \u201aEast-Side-Galery\u2019 verwirklichten. Die East-Side Gallery ist mittlerweile das l\u00e4ngste St\u00fcck Mauer, dass sich noch in Originalzustand an seinem Originalstandort befindet. Der Teil des Wandbildes von Teresa Casanueva zeigt knospende Triebe, die vor einer hellen Fl\u00e4che in den Himmel wachsen. Es ist vermutlich keine \u00dcberinterpretation zu sagen, dass die Pflanzen die zarten Triebe der Hoffnung auf einen demokratischen Neubeginn im ehemals sozialistisch regierten Ostteil der Stadt symbolisieren. Auch Teresa Casanueva er\u00f6ffneten sich mit dem Fall der Mauer v\u00f6llig neue Perspektiven in einem Gesellschaftssystem, dass sich grunds\u00e4tzlich von demjenigen unterschied, in dem sie bisher gelebt hatte. Sie nahm diese wahr, indem sie zahlreiche eigene Ausstellungen und Projekte realisierte und sich an Gruppenausstellungen, beispielsweise der Landeskunstschau Sachsen-Anhalt oder der Ausstellung \u201aErotische Kunst\u2019 in der Galerie 5 Sinne in Halle beteiligte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Vor dem Hintergrund des historischen Umbruchs und der pers\u00f6nlich erlebten unterschiedlichen\u00a0 Kulturen in Havanna und dem jetzigen Deutschland h\u00e4tte es nahe gelegen, diese Erfahrungen auch in einer fig\u00fcrlichen Malerei zu thematisieren. Gerade diesen nahe liegenden Kurzschluss aber verweigert die Malerin. Soweit ihre Bilder Gegenst\u00e4ndliches zeigen, interessieren Casanueva reine Formen. Die wirken manchmal skurril und lassen h\u00e4ufig ihre gegenst\u00e4ndliche Herkunft nicht klar erkennen. \u201eEindringlinge\u201c betitelt sie eine Bilderserie mit rundlichen Formen, die verschiedenfarbig mehr oder weniger frei durch den Raum fliegen. Andere Titel sind \u201aInterior\u2019, ,Objeto\u2019 oder \u201aCake\u2019. Gemeinsam ist den Bilderserien eine fr\u00f6hliche, gelegentlich zum poppigen neigende Farbigkeit und die zun\u00e4chst etwas zuf\u00e4llig wirkende Ansammlung von oft frei im Raum schwebenden Gegenst\u00e4nden. Soweit erkennbar hat einzig die Serie \u201aCake\u2019 einen sozialen Bezugspunkt, indem sie das Ritual des Caffee- und Kuchentrinkens am Nachmittag thematisiert. Die Bedeutung der Handlung differiert nach Angaben der Malerin in Kuba und Europa stark. W\u00e4hrend in Deutschland der Nachmittagskuchen mancherorts zur gewohnheitsm\u00e4\u00dfigen Nachmittagsgestaltung z\u00e4hlt,\u00a0 hat der Kuchen in Kuba \u2013 wohl auch aufgrund der Knappheit der zur Verf\u00fcgung stehenden Zubereitungsmittel \u2013 eine heraus gehobene Bedeutung. Auch bei den \u201aCake\u2019 Bildern hat der Betrachter jedoch das Gef\u00fchl, der soziale Aspekt streife die Bildwelt Casanuevas allenfalls am Rande.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Konsequent zu einer eigenen Bildsprache findet<b>\u00a0<\/b>Casanueva bei den Bildern, in denen sie sich auf die Strukturierung eines Raumes mittels abstrakter Elemente konzentriert. Hier hat sie eine ganz eigene Technik des \u201aKartonschnitts\u2019 entwickelt. W\u00e4hrend Radierung und Holzschnitt auf eine Herstellung von Druckserien hin angelegt sind, eignet dem von Casanueva gew\u00e4hlten Kartonschnitt etwas ebenso einmaliges wie der \u00d6lmalerei. Denn der aus dem Karton geschnittene Druckstock ist nach dem Farbauftrag unweigerlich zerst\u00f6rt. Die Druckbilder sind nun weit gehend abstrakt. Auch wenn ein Bild den Titel \u201aCorazon verde\u2019 tr\u00e4gt, hei\u00dft dies nicht, dass darauf das Titel gebende \u201agr\u00fcne Herz\u2019 in Naturform zu sehen ist. Zwar hat das Bild eine rote geometische Mitte. Diese ist aber alles andere als eine anatomische Darstellung. Vielmehr \u00fcberlagern sich dort gr\u00fcne, rote und blaue Fl\u00e4chen, Schnipsel, Formen. Naturgem\u00e4\u00df entstehen bei der von Casanueva verwendeten Technik eher fl\u00e4chige Formen. Das tut jedoch der Lebendigkeit der variantenreichen Farbtableauxs keinen Abbruch.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die allermeisten Drucke weisen ebenso wie die \u00d6lbilder eine helle Farbigkeit auf. Himmelblau steht neben Rot und Rosa, Gelb korrespondiert mit Orange oder Mauve. Selbst m\u00f6gliche Komplement\u00e4rkontraste werden durch den luziden Farbauftrag des Kartondrucks gemildert. Es entsteht ein harmonisch organisierter Farbraum, in dem Schnipselformen mit Gittern korrespondieren, Streifenmuster hinter ornamentalen Strukturen hervor scheinen, spitzige Pfeilformen aus angedeuteten Raumstrukturen heraus schie\u00dfen. Gelegentlich legt die Bildaufteilung es nahe, eine Horizontlinie zu vermuten. Meist aber ist es die pure Lust an der frei flottierenden Form, die das Bild tr\u00e4gt. Casanueva erreicht trotz des durch die Drucktechnik begrenzten Formenrepertoires eine erstaunliche Vielgestaltigkeit der verwendeten Formen- und Bildsprache. Die mannigfachen Schichtungen der gedruckten Muster und Formen verweben sich zu einem Bildganzen in dem sich zuf\u00e4llig gefundene Formen mit sorgf\u00e4ltig austarierten Farbkl\u00e4ngen verbinden. Geometrisches setzt sie gegen organisch anmutende Miniaturen. Landschaftssplitter werden von Leitern und vermeintlichem Schneegest\u00f6ber \u00fcberlagert.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Casanueva gelingt eine eigenst\u00e4ndige, intelligente Bildorganisation die an sich ohne erkennbare kunsthistorische Nachbarschaft ist. Zwar experimentierten auch die abstrakten Expressionisten Amerikas mit verschiedene Drucktechniken. Wobei es Robert Rauschenberg zu einer beachtlichen, wenn auch gegenst\u00e4ndlichen Meisterschaft brachte. Die M\u00f6glichkeiten k\u00fcnstlerischen Ausdrucks die auf heutiger Drucktechnik basieren, haben jedoch nur wenige K\u00fcnstler so konsequent ausgeforscht wie Teresa Casanueva. Zu nennen sind hier Paco Kn\u00f6ller und der Chinese Tan Ping, die teils sehr gro\u00dffl\u00e4chige Arbeiten mit rein abstarktem Formrepertoire schaffen. Von Kn\u00f6ller allerdings unterscheiden sich die Arbeiten der K\u00fcnstlerin in ihrer h\u00e4ufig kleinteiligen Musterung die manchmal Elemente ihrer gegenst\u00e4ndlichen \u00d6lmalerei aufgreift. Letztlich schafft Casanueva lebendige Raumstrukturen, die durch ihre ausdiffrenzierten, vielschichtigen Farbkl\u00e4nge \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Ebenso Formenreich sind die Landschaften und Tierbilder von\u00a0<b>Skadi Engeln<\/b>. Bei ihr entsteht die Vielschichtigkeit jedoch nicht durch die \u00dcberlagerung von Druckst\u00f6cken, sondern mittels der von Hand aufgetragenen \u00d6l-, Acryl-, Stiftzeichnung und Malerei. Die Farben scheinen bei Engeln zu schweben, flirrende Fl\u00e4chen \u00fcberlagern sich zu vermeintlichen Traumlandschaften, die keine narrativen Elemente st\u00f6ren. Obwohl die Landschaften letztlich abstrakte Kompositionen sind, weist Engeln weit von sich eine ungegenst\u00e4ndlich arbeitende K\u00fcnstlerin zu sein. Die unmittelbare Bezugnahme auf die erkennbare Landschaft ist der Malerin wichtig. \u201eDas erkennt man doch\u201c, so ihr erstaunter Ausruf mit dem sie auf eine entsprechende Frage reagiert. Allerdings kann der Betrachter gelegentlich Ackerfurchen, W\u00e4lder,\u00a0 Grasnaben bei den geschickt komponierten Fl\u00e4chen Engelns assoziieren. Aber es scheint doch relativ abwegig, anzunehmen Engeln h\u00e4tte sich die Detailversessenheit eines Brueghel oder Friedrich oder die symbolistische Sichtweise auf die Landschaft der Romantiker zum Vorbild genommen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">\u00a0Ihr geht es um den Klang, die schwebende Luzidit\u00e4t der Fl\u00e4chen, das Angedeutete. Hier steht sie einer modernen Tradition, die auf Maler wie Gotthard Graupner oder Mark Rothko verweist. Auch ihnen ging es darum, den Klang der Farbe von einer \u00fcberfrachteten Symbolhaftigkeit zu befreien und den Betrachter einzuladen, sich auf die origin\u00e4ren Farbwerte einzulassen. Die Farbe dient keiner Erz\u00e4hlung, sondern soll dazu einladen, sich in das Bild zu vertiefen. So entsteht bei der Malerin Skadi Engeln ein imagin\u00e4rer Raum, der an Morgen-, Abend-, oder sonstige Tagesstimmungen erinnert. Zu sehen sind verhangene Regenlandschaften und rot gl\u00fchende Felder. Gelegentlich arbeitet die Malerin mit Komplement\u00e4rkontrasten. Diese zerrei\u00dfen das Bild allerdings nicht, sondern lassen ein feines Netz aus durchsichtige Schichtungen, verlaufenden Schlieren und verschwimmenden Horizonten entstehen. In ihrer vagen Unfassbarkeit er\u00f6ffnen die Landschaften einen weiten Assoziationsraum. Man meint die weiten gr\u00fcnen Felder Frieslands ebenso in die Fl\u00e4che gebannt zu sehen, wie feurig unterlegte Lavafelder des Stromboli. Durch ihre Menschenleere erh\u00e4lt der Betrachter die M\u00f6glichkeit, sich ganz auf die zum Teil auch in geometrischen Strukturen gefassten Farbnuancen zu konzentrieren.\u00a0 Mit ihrer feinf\u00fchligen, differenzierten Malweise beweist Skadi Engeln nicht zuletzt auch, dass sie in der Lage ist, verschiedene malerische Techniken wie \u00d6lmalerei und Pastellzeichnung zu einem stimmigen Gesamtklang zu vereinen.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Alles Handwerk w\u00e4re jedoch ohne Nutzen, wenn es den beiden Malerinnen nicht gel\u00e4nge, ganz eigene Bildwelten zu entwerfen. Das geschieht bei beiden auf verschiedene Weise. Teresa Casanueva bannt im intelligenten Spiel mit Formen und Farben letztlich die Freude an der kreativen k\u00fcnstlerischen Intelligenz in die Fl\u00e4che. Dagegen unternimmt Skadi Engeln eine lyrisch-poetische Deutung von Welt und Landschaft, die in von Kriegen und Umweltkatastrophen gesch\u00fcttelten Zeit auf Harmonie und Sch\u00f6nheit hofft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Skadi Engeln und Teresa Casanueva Konvex 99 \u2013Galerie im Kontorhaus Einf\u00fchrung zur Er\u00f6ffnung Von Richard Rabensaat Landschaftssplitter Aus der Abstraktion schaffen die Teresa Casanueva und Skadi Engeln ganz verschiedene Bildwelten \u00a0Mit\u00a0Skadi Engeln\u00a0und\u00a0Teresa Casanueva\u00a0treten uns zwei Malerinnen entgegen, deren Bildsprache sich zwischen Abstraktion und Konkretion&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"om_disable_all_campaigns":false,"_monsterinsights_skip_tracking":false,"_uf_show_specific_survey":0,"_uf_disable_surveys":false,"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[46],"tags":[],"class_list":["post-585","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-doku"],"translation":{"provider":"WPGlobus","version":"3.0.2","language":"en","enabled_languages":["de","en"],"languages":{"de":{"title":true,"content":true,"excerpt":false},"en":{"title":false,"content":false,"excerpt":false}}},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/585","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=585"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/585\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":587,"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/585\/revisions\/587"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=585"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=585"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/skadi.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=585"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}