{"id":511,"date":"2021-01-14T16:29:14","date_gmt":"2021-01-14T15:29:14","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p126162.webspaceconfig.de\/?p=511"},"modified":"2021-01-14T16:29:14","modified_gmt":"2021-01-14T15:29:14","slug":"kurzes-artist-statement-2018-2-2-2-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skadi.de\/en\/kurzes-artist-statement-2018-2-2-2-2-2-2\/","title":{"rendered":"Heiter und Konzentriert &#8211; Die Malerin Skadi Engeln \u00fcberrascht mit bemerkenswert sensibler Landschaftsmalerei"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Gewittrige Himmel die bleischwer \u00fcber einer kleegr\u00fcnen Landschaft h\u00e4ngen. Der Horizont, in unbestimmter Ferne verschwimmend. Formen, Farbschlieren, die sich wie d\u00fcnne Seident\u00fccher \u00fcbereinander lagern und schlie\u00dflich zu einem vielschichtigen Klang finden.<\/p>\n<p>Farbr\u00e4ume spannen sich auf in den Bildern von Skadi Engeln.<br \/>\nSie haben ihre Herkunft in der Erinnerung an konkrete Landschaften, reichen aber weit dar\u00fcber hinaus. Die Farbfelder langen in eine imagin\u00e4re Tiefe, die stets unbev\u00f6lkert ist. Personen tauchen in den Bildern der K\u00fcnstlerin nur sehr selten auf. Das beherrschende Thema ist der Raum, wie er sich in freien Farbkl\u00e4ngen immer wieder aufs Neue strukturiert. Gelegentlich l\u00f6sen sich die Formen v\u00f6llig auf. Zuvor angedeutete Perspektiven verschwinden in einem Feld aus Flecken. Dabei sind Bilder, wie die Impressionen der K\u00fcnstlerin vom Jacobsweg, auf dem sie gewandert ist, nie blo\u00dfe Wiedergabe des Gesehenen und Erlebten. Nicht die Schilderung des Angeschauten, sondern die Eindr\u00fccke die sich dar\u00fcber hinaus im k\u00fcnstlerischen Blick und Gef\u00fchl verdichtet haben, sind das Thema der Malerin.<\/p>\n<p>Obwohl die R\u00e4ume alle Narration verweigern, wirken sie dennoch von warmen Leben durchflutet. Dieser Eindruck resultiert wesentlich aus Sensibilit\u00e4t, mit der die K\u00fcnstlerin Farbkl\u00e4nge komponiert. Die entstehenden Schichtungen vermeiden harte Kontraste, mildern Gegens\u00e4tze zumeist mit verschwimmenden Konturen und nebeligen Umrissen ab. Helle Stichmuster legen sich \u00fcber dunkle Untergr\u00fcnde, verschmelzen aber nicht mit diesen, sondern lagern in einer schwebenden Balance dar\u00fcber. Ihr Farbgef\u00fchl und die unerh\u00f6rte Geschicklichkeit im Umgang mit auseinander liegenden Farbspektren erlauben es der Malerin B\u00f6gen zu spannen, die den Betrachter fesseln. Die Bilder vermitteln dabei eine heiter wirkende, kontemplative Ruhe.<\/p>\n<p>Finden sich Lebewesen auf den Bildern, so sind es zumeist Tiere, Giraffen, K\u00fche. Sie wirken gelassen, schauen dem Betrachter gleichg\u00fcltig entgegen, wandern gem\u00e4chlich durchs Bild. Die Bildwelten von Skadi Engeln scheinen ein Gegengewicht zu der hektischen Gro\u00dfstadt zu bilden, in der die K\u00fcnstlerin lebt und arbeitet. Das Treiben in modernen Metropolen, h\u00e4ufig als \u201aLeben aus dem Gleichgewicht\u2019 beschrieben, nerv\u00f6s, gereizt und rastlos, spiegelt sich in den \u201aLandschaften mit Wasser und Wolken\u2019 nicht wieder. Weit entfernt sind die Bilder von der nicht selten sinnfreien Gesch\u00e4ftigkeit moderner Zeitplanung und handybestimmter Unrast st\u00e4dtischen Lebens.<\/p>\n<p>Wenn sich &#8211; sehr selten &#8211; dann doch ein Splitter der unabweisbaren Realit\u00e4t ins k\u00fcnstlerische Schaffen dr\u00e4ngt, erh\u00e4lt dieser eine poetisch anmutende Form. Zu der Bilderserie \u201aZwischenraum\u2019 schildert Skadi Engeln die Begegnung mit einem Elternpaar, das zu ihr kam und die Tochter durch die Hand des Sohnes verloren hatte. Es sei ihr vorgekommen, als berge der Vater einen Eisblock in sich, scharfkantig, sperrig und von schneidender K\u00e4lte. Diesen ihr bildhaft vor Augen stehenden Eisblock malte sie auf dem Wasser schwebend in Form eines Schiffes als \u201aSymbol des auf dem Flie\u00dfenden Getragenen, des Lebens und des \u00dcbergangs im Tod\u2019 (Engeln) Die Bilderserie erinnert an die griechische Hades Mythologie, den Fluss Styx, der die Welt der Lebenden und die der Toten trennt. Es zeigt sich die Verkn\u00fcpfung gegenw\u00e4rtiger Trag\u00f6dien mit altgriechischer Mythologie. So konkret wird eine Thematik bei Skadi Engeln allerdings selten. Meist bewegen sich ihre Bilder nahe an der Grenze zur v\u00f6lligen Abstraktion, in deren Tradition die Malerin steht.<\/p>\n<p>Seit sich die Malerei aus dem Korsett gegenst\u00e4ndlicher Abbildung befreit hat, sind K\u00fcnstler in der Abstraktion viele Wege gegangen. Die Spannbreite reicht von den nerv\u00f6sen post-war Scratchings eines Wols \u00fcber die Hard-Edge Malerei von Barnett Newmann bis hin zu Mark Rothkos Meditationsbildern. Rothko entfernte sich nach einer zun\u00e4chst gegenst\u00e4ndlich begonnenen Malerei von der Darstellung des konkret Fassbaren und wandte sich schwingenden Farbkl\u00e4ngen und Feldern zu, dies h\u00e4ufig in dunklen T\u00f6nen. Sp\u00e4testens nach dem zweiten Weltkrieg schien die gegenst\u00e4ndliche Malerei, die schon durch die Fotografie einen schweren Schlag erhalten hatte, am Ende zu sein. Die westliche Postmoderne wandte sich ausdr\u00fccklich von der Gegenst\u00e4ndlichkeit ab. Es galt der \u00f6stlichen Figuration zu zeigen, dass vor dem eisernen Vorhang ein ungebundener Geist weht. Figurative Darstellung stand sogleich unter Ideologieverdacht. Zudem hatten K\u00fcnstler wie De Kooning oder Rauschenberg mit dem abstrakten Expressionismus erstmals in Amerika eine Ton angebende Stilrichtung artikuliert, die sich gegen\u00fcber dem alten Europa vollmundig behaupten konnte.<\/p>\n<p>Die einige Jahrzehnte hoch gehaltene Doktrin der Gegenstandlosigkeit ist mittlerweile wieder zerbr\u00f6selt. Kommerziell \u00fcberragende Erfolge feierte in den vergangenen Jahren eine surreal anmutende, symbolgeladene Noefigurative, die gelegentlich mit dezidiert ostigem Charme daher kam. Hierbei, wie \u00fcberhaupt in der Kunstgeschichte, blieb die Landschaftsmalerei ein randst\u00e4ndiger Bereich. Ausnahmen wie William Turner, Claude Monet oder Karl Hagemeister best\u00e4tigen dies. Schon bei Turner und Monet jedoch ist eine Aufl\u00f6sung des Gegenst\u00e4ndlichen und eine deutliche Hinwendung zur reinen Farbfl\u00e4che erkennbar. Von hier zieht sich eine ideelle Linie zu den hoch differenzierten Farbschichtungen Skadi Engelns.<\/p>\n<p>Skadi Engelns Position besticht durch Klarheit und Eindeutigkeit. Ihre Bilder wirken wie offene R\u00e4ume, die aus sich heraus atmen und keiner trend- oder zeitgeschichtlichen Rechtfertigung bed\u00fcrfen. Aus ihnen spricht das genaue Wissen der Malerin um den eigenen k\u00fcnstlerischen Standpunkt. Sie schweben zwischen der freien Abstraktion und einer gegenst\u00e4ndlichen Andeutung. \u00c4hnlich wie bei dem Amerikaner Mark Rothko l\u00f6sen sich die Formen auf, werden zu einem organischen Ganzen und ziehen den Betrachter dann in meditativem Sog in das Bild. Anders als bei Rothko, der sich 1970 das Leben nahm, klingt bei Skadi Engeln aber auch in Bildern, die als Regenlandschaften gedeutete werden k\u00f6nnen, eine Heiterkeit und Leichtigkeit mit. Ihre Spannung bezieht die Malerei Engelns nicht aus einem drohenden Unheil, das die Grundierung jedenfalls der sp\u00e4ten Bilder Rothkos zu bilden scheint, sondern aus einer lyrisch-poetischen Deutung von Welt und Landschaft. Trotz ihrer Gegenstandslosigkeit erreicht die Malerei so eine Tiefe und Konzentriertheit, die es der Malerin erlaubt, selbstbewusst ihren ganz eigenen Weg der Abstraktion fortzusetzen.<\/p>\n<p>Von Richard Rabensaat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Gewittrige Himmel die bleischwer \u00fcber einer kleegr\u00fcnen Landschaft h\u00e4ngen. Der Horizont, in unbestimmter Ferne verschwimmend. Formen, Farbschlieren, die sich wie d\u00fcnne Seident\u00fccher \u00fcbereinander lagern und schlie\u00dflich zu einem vielschichtigen Klang finden. 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