{"id":504,"date":"2021-01-14T16:00:17","date_gmt":"2021-01-14T15:00:17","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p126162.webspaceconfig.de\/?p=504"},"modified":"2021-01-14T16:01:31","modified_gmt":"2021-01-14T15:01:31","slug":"kurzes-artist-statement-2018-2-2-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skadi.de\/en\/kurzes-artist-statement-2018-2-2-2-2-2\/","title":{"rendered":"\u201enur meer\u201c \u2013 \u00fcber Konkretheit und Transzendenz in der Malerei von Skadi Engeln"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<h3><em>\u201cDieser unendliche Raum, dessen Vordergrund man immer wieder mit etwas Ger\u00fcmpel anf\u00fcllen muss, damit man seine schaurige Tiefe nicht so sieht. \u2026Dieses grenzenlose Verlassensein in der Ewigkeit. Dieses Alleinsein.\u201d<\/em><\/h3>\n<p>Max Beckmann, 1915<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Eine Malerin und ihr Motiv \u2013 Bilder vom Meer, Malerei, die von der Wahrnehmung und dem Erlebnis von Wasser, Licht und Himmel inspiriert sind. Skadi Engeln hat viele Meere besucht und so nennt sie ihre Ausstellung von Arbeiten der beiden letzten Jahre, einem Gedicht von Erich Fried entlehnt, \u201enur meer\u201c.<\/p>\n<p>Skadi Engeln zeigt uns Meereslandschaften in der Ver\u00e4nderung. In ihrer Malerei erkennt man das Fl\u00fcchtige und die \u00dcberg\u00e4nge, die das Wetter, wie auch das Leben und das Dasein bestimmen &#8211; Wolken ziehen \u00fcber dem Horizont auf, man gewinnt den Eindruck, Schauer gingen nieder oder ein Gewitter entlade sich, dann aber liegt wieder der Glanz des Sonnenlichtes \u00fcber der Szene. Die Luft ist voller Wasser, voll von Feuchtigkeit und Reflektionen, so blau, so weit. Schaut man diese Bilder an, so gewahrt man die Ver\u00e4nderungen von Licht und Luft und Farben. Auch erkennt man einen weiten Raum, der sich bis zum Horizont dehnt, und es stellt sich die Frage, wohin er f\u00fchren mag, was dahinter ist.<\/p>\n<p>Skadi Engeln unterteilt ihre Bilder durch Horizontlinien. Ganz zu Beginn des Malprozesses legt sie deren Verlauf fest. Oft verl\u00e4uft die Horizontlinie genau in der Mitte ihrer immer querformatigen Darstellungen, die sie auf Nessel oder Papier anlegt. Die Horizontlinie teilt und scheidet die immense Wasserfl\u00e4che vom Himmel, das Fl\u00fcssige von der Luft. Dann aber ist der Horizont weiter nach oben oder auch nach unten verschoben, womit sich die Wahrnehmung der Meereslandschaften ver\u00e4ndert und wir entweder weit in den Raum, geradezu \u00fcber den Horizont hinaus sehen k\u00f6nnen, oder im anderen Fall, von einem tieferen Gesichtspunkt unmittelbar auf den Meeresspiegel schauen, etwa so als st\u00fcnden wir im Wasser.<\/p>\n<p>Doch ist auch alles konkret an dieser Malerei, will nicht im Sinne des Realismus ein illusionistisches Abbild vort\u00e4uschen, sondern eine Form und somit auch eine Haltung benennen, die die K\u00fcnstlerin im Malakt entwickelt. In der Intention ihrer Kunst stehen Fragen danach, was Farbe in uns auszul\u00f6sen vermag, welche geistige Idee mit der dargestellten Leere einhergeht und welche Vorstellungen von Unendlichkeit angesichts des immensen Ozeans und der Wirkung der Natur. Solche Themen begegnen uns angesichts der Malerei von Skadi Engeln. Die K\u00fcnstlerin kn\u00fcpft damit bewusst an ein von der fr\u00fchen Romantik entworfenes Wahrnehmungskonzept an \u2013 wie es uns etwa bei Caspar David Friedrich begegnet &#8211; sie aktualisiert dieses Konzept mit den Mitteln ihrer Malerei, ohne es aus der konkret naturalistischen Formulierung in eine rein formale Abstraktion zu entlassen. Vielmehr bleibt Skadi Engeln im Sinne der Fortschreibung des romantischen Gedankens bei den Gegenst\u00e4nden und ihren Wirkungen, also beim Meer und dem Himmel, damit ihre Vorstellung von Natur und Geist, von Raum und Unendlichkeit unmittelbar und konkret fassbar bleibt.<\/p>\n<p>Diese Malerei entsteht aus der gewonnen Vorstellung, die K\u00fcnstlerin arbeitet nicht \u201een plein air\u201c an den Str\u00e4nden, vielmehr erinnert sie sich beim Malen und entwirft dabei ihr Bild von Gesehenem und Erlebtem. Und so viele Farben, so viele T\u00f6ne und Facetten von Blau &#8211; dieser immateriellen Farbe, auch von Wei\u00df und Grau, die sich mit gr\u00fcn und\u00a0 gelb vermischen und einem Rot begegnen &#8211; ein rosa Streif am Himmel, auch Violett ist dabei. Eigentlich sind es alle Farben, selbst wenn das Blau dominiert, die wir in den Bildern erkennen \u2013 oder suchen sie uns auf und wir m\u00fcssen nur warten?<\/p>\n<p>Die Kompositionen dieser Serie von Meereslandschaften vermitteln Ruhe, sogar Harmonie, denn sie basieren auf dem horizontalen Prinzip., Und doch geschieht so vieles\u00a0 in dieser Malerei, die Licht und Wetter manchmal sehr dramatisch zeigt &#8211; in Ver\u00e4nderung, im Umbruch, der immer wieder zu Neuem hinf\u00fchrt. \u00a0Vor allem zu der Anschauung und Erkenntnis &#8211; dies selbst in kleinsten Bildern &#8211; dass sich hinter dem in Licht und Dunst geh\u00fcllten Horizont ein noch gr\u00f6\u00dferer Raum auftun kann, der greifbar ist und doch ins Unbekannte und Unendliche weist. Hierin liegen F\u00e4higkeiten und M\u00f6glichkeiten, die Skadi Engelns Kunst besitzt, die sie uns vorstellt, denn ihre Malerei handelt im Inneren von einer Gedankenwelt, auf die Max Beckmann hinwies, als er formulierte: \u201eRaum &#8211; Raum &#8211; und nochmals Raum &#8211; die unendliche Gottheit, die uns umgibt und in der wir selbst enthalten sind &#8230;\u201c\u00a0 (1)<\/p>\n<p>Peter Funken<\/p>\n<p class=\"bodytext\"><sub>1) Max Beckmann: \u201e\u00dcber meine Malerei\u201c, Vortrag, gehalten in den New Burlington Galleries, London, 1938<\/sub><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; \u201cDieser unendliche Raum, dessen Vordergrund man immer wieder mit etwas Ger\u00fcmpel anf\u00fcllen muss, damit man seine schaurige Tiefe nicht so sieht. \u2026Dieses grenzenlose Verlassensein in der Ewigkeit. 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