{"id":499,"date":"2021-01-14T15:57:05","date_gmt":"2021-01-14T14:57:05","guid":{"rendered":"http:\/\/wordpress.p126162.webspaceconfig.de\/?p=499"},"modified":"2021-01-14T15:57:27","modified_gmt":"2021-01-14T14:57:27","slug":"kurzes-artist-statement-2018-2-2-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/skadi.de\/en\/kurzes-artist-statement-2018-2-2-2\/","title":{"rendered":"Landschaft und Gedanke &#8211; Nur vordergr\u00fcndig zeigen die Bilder von Skadi Engeln Landschaften"},"content":{"rendered":"<p>&nbsp;<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Wie von einem Vorhang oder einem Schleier verdeckt erscheinen die Landschaften aus der aktuellen Serie \u201eSt\u00f6rbilder\u201c von Skadi Engeln. Sie sind in einem Prozess entstanden. Nachdem die K\u00fcnstlerin mit der urspr\u00fcnglichen Fassung nicht einverstanden war, suchte sie nach einer M\u00f6glichkeit, sich dem Thema Landschaft neu zu n\u00e4hern.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Die gegenw\u00e4rtigen Bilder entstehen zu einer Zeit, in der eine romantisierende Sicht auf die Natur und die Verbundenheit des Menschen mit ihr problematisch erscheint. Die Reaktorkatastrophe von Fukushima ruft im Fr\u00fchjahr 2011 mit schrecklicher Gewissheit eine Erkenntnis ins Ged\u00e4chtnis der Menschheit zur\u00fcck, die schon aus dem Reaktorbrand von Tschernobyl vor 25 Jahren h\u00e4tte gezogen werden k\u00f6nnen: Kernkraft ist nicht beherrschbar. Der entfesselte D\u00e4mon des frei gesetzten Atoms l\u00e4sst sich nicht in die Flasche zur\u00fcck zwingen. Die Utopie eines Perpetuum Mobile der Energieversorgung ist nichts als eine Schreckensgestalt.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Vor diesem zeithistorischen Hintergrund erschien es der K\u00fcnstlerin problematisch, in ihrer Landschaftsdarstellung in gleicher Weise fortzufahren wie in Bildern aus den Jahren zuvor. Zwar dienten Fotos schon immer als Vorlagen f\u00fcr ihre Malerei, ebenso wie dies auch jetzt der Fall ist. Aber die ungebrochene Sichtweise scheint den gegenw\u00e4rtigen Zeitl\u00e4ufen nicht angemessen. Die Landschaft des Berry, die den Ausgangspunkt f\u00fcr die klein- und gro\u00dfformatigen Arbeiten liefert, hat zwar nichts von ihrer Sch\u00f6nheit eingeb\u00fc\u00dft, dennoch ist ihr im Fr\u00fchjahr 2011 ein virulenter Konflikt eingeschrieben. Wird sich in der westlichen Hemisph\u00e4re der Fall-Out der Reaktorkatastrophe im fernen Japan bemerkbar machen? Welche Auswirkungen hat die frei gesetzte Radioaktivit\u00e4t?<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Es zeigt sich, dass menschlicher Fortschrittsglaube das ausbalancierte Gleichgewicht der nat\u00fcrlichen Kreisl\u00e4ufe weder wertsch\u00e4tzt noch akzeptieren m\u00f6chte.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Fr\u00fcheren Werken Engelns ist der Bezug auf eine romantische Sicht der Landschaft abzulesen. Die K\u00fcnstlerin sucht nach den transzendenten Aspekten der Landschaft. Nun aber bricht die Malerin diesen Aspekt, wenn sie die Bilder wie von einem Vorhang verschleiert zeigt. Unregelm\u00e4\u00dfige Schlieren scheinen sich \u00fcber das Bild gelegt zu haben, ein farbiger Schleier verdeckt Felder, B\u00e4ume und Wege. Nie waren die Darstellungen der Malerei Engelns auf die vordergr\u00fcndige Erscheinung der Landschaften gerichtet, immer hat sie versucht, die Aspekte zu greifen, die auch schon die Romantiker interessierten: die Landschaft als Sinnbild der harmonisch eingerichteten Sch\u00f6pfung, als Spiegelbild der transzendenten Seele. Welche Folgen Fukushima zeitigen wird, ist gegenw\u00e4rtig nicht auszumachen. Sicher aber ist, dass sich auch in der europ\u00e4ischen Landschaft, die bisher haupts\u00e4chlich das Thema Skadi Engelns ist, Spuren des asiatischen Unfalls finden werden.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">Zudem ist das Landschaftsbild der Romantik ohnehin obsolet, jedenfalls in Europa. Die Kreidefelsen, auf denen der Wanderer Caspar David Friedrichs stand, waren schon damals eine Touristenattraktion. Heute ist die gesamte Mittelmeerk\u00fcste, die jahrhundertelang ein Sehnsuchtsort europ\u00e4ischen Bildungsb\u00fcrgertums war, mit Bettenburgen verstopft. Autobahnen erschlie\u00dfen auch noch den letzten Quadratmeter einer Region, der schon die R\u00f6mer mit der Abholzung f\u00fcr den Schiffsbau den Garaus machten. Kataster\u00e4mter sorgen daf\u00fcr, dass Alpengipfel ebenso wie die friesischen Inseln merkantil handelbar sind.<\/p>\n<p class=\"bodytext\">F\u00fcr die naive Sicht auf eine unber\u00fchrte Natur und eine romantisierende Betrachtung von Gottes wunderbarer Sch\u00f6pfung ist daher wenig Platz in Europa. Deshalb k\u00f6nnen die gegenw\u00e4rtigen und auch die fr\u00fcheren Bilder von Skadi Engeln trotz ihres offensichtlich gegenst\u00e4ndlichen Sujets eher als Metaphern gelesen werden. Nicht um den Blick auf unber\u00fchrte B\u00e4ume und Gr\u00e4ser geht es, sondern um die M\u00f6glichkeit, den noch nicht vollst\u00e4ndig zerst\u00f6rten, vielleicht dahinter liegenden Plan zu erkennen.<\/p>\n<p>Von Richard Rabensaat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Wie von einem Vorhang oder einem Schleier verdeckt erscheinen die Landschaften aus der aktuellen Serie \u201eSt\u00f6rbilder\u201c von Skadi Engeln. Sie sind in einem Prozess entstanden. 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